Was ist eine Ess-Störung?


Herz-Logo

Magersucht (Anorexia nervosa)

Mit ,,Anorexia nervosa" bezeichnet man eine schwere Störung des Essverhaltens, gekennzeichnet durch die freiwillige Nahrungsreduktion bis hin zur radikalen Verweigerung von Essen mit bulimischen Zwischenfällen. Als typische Erkrankung des Jugend- und frühen Erwachsenenalters liegt der Erkrankungshöhepunkt zwischen 14 und 16 Jahren.

Diagnosekritieren  für die Anorexia nervosa nach ICD-10

(herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation)

Die ICD- 10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) gibt in ihrem Kapitel V (F) Kennzeichen vor, mit Hilfe derer sich eine Magersucht diagnostizieren lässt. Das markanteste Merkmal einer Magersucht ist natürlich mit BMI -Werten (Body-Maß-Index= Körpergewicht in kg/Körpergröße in m²) von unter 17.5 das Untergewicht. Hierbei liegt das Körpergewicht mindestens 15 % unterhalb der Norm. Weiterhin ist bei einer Magersucht der Gewichtsverlust immer selbst verursacht. Die Betroffenen leiden unter einer sogenannten ,,Körperschemastörung" bei der sie sich, trotz teilweise ausgemergelter Körper, immer noch als zu dick empfinden. Bei Erkrankungsbeginn vor der Pubertät kann es zudem zu Störungen der pubertären Entwickung einschließlich des Körperwachstums kommen. Eine Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung) aufgrund einer endokrinen Störung auf der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse ist ebenfalls typisch.

Durch die Krankheit sehen die Betroffenen immer mehr als Feind an, gegen den es zu kämpfen gilt. Die Störung zum eigenen Körper gaukelt Betroffenen vor dicker zu sein als sie wirklich sind. Viele Betroffene nehmen deswegen wenig zum Teil auch kaum Nahrung zu sich und treiben exzessiv Sport. Die Folge dieser Unterernährung ist u.a. eine depressive Verstimmung, ständiges Frieren, Ausbleiben der Menstruation, Nachlassen der Konzentration und einem verminderten Bedürfnis nach Sexualität. Viele Betroffene leben nach einem streng kontrollierten Tagesplan und isolieren sich von ihrem Umfeld.

Manche Anorexie – Erkrankten hungern ihr Gewicht so weit hinunter, so dass sie sich in Lebensgefahr bringen! Laut BZgA sterben 10 bis 15 % der Magersüchtigen an ihrer Krankheit (vgl.Broschüre der  BZgA, essgestört? übergewichtig? So findest du Hilfe).


Herz-Logo

Bulimie (Bulimia nervosa bzw. Ess-Brechsucht)

Vom äußeren Erscheinungsbild her sind viele Bulimiker unauffällig. Das Gewicht befindet sich meistens im Normalbereich, kann aber auch ins Übergewicht tendieren. Aufgrund dieser Tatsache fällt die Krankheit weniger auf und wird oft jahrelang verheimlicht. Die Betroffenen leben für ihr Umfeld angepasst und schämen sich für ihre Schwäche. Der Teufelskreis der Bulimie ist geprägt durch Hungern was wiederum Heißhungeranfälle hervorruft. Während dieser Heißhungeranfälle werden Lebensmittel in enormen Mengen verzehrt. Um der Angst vor dem „Dick werden“ entgegen zu wirken, erbrechen die Betroffenen oder nehmen Abführmittel bzw. Entwässerungsmittel zu sich. Auch wenn kein Untergewicht bei Bulimikern besteht, so ist auch diese Erkrankung lebensgefährlich! Durch das Erbrechen werden lebenswichtige Mineralien ausgeschieden, die zu Herzrhythmusstörungen führen können.

Es werden unterschiedliche Formen der Bulimie unterschieden. So gibt es beispielsweise Betroffenen, die ,,nur" bei Heißhungerattacken das Gegessene erbrechen aber wiederrum auch Menschen, die jede Mahlzeit wieder erbrechen, auch wenn es sich um ,,normale" Portionen gehandelt hat. Eine relative neu-diskutierte Form der Bulimie ist die ,,Sport-Bulimie" bei der die Betroffenen nicht erbrechen, sondern durch übertriebenes Sporttreiben, die Kalorien, die zu sich genommen wurden, wieder auszugleichen versuchen.

Genauso wie bei der Magersucht gibt es auch für die Ess-Brechsucht von der WHO herausgegebenen Diagnosekriterien, die im ICD 10, Kapitel F50 (2) zu finden sind.

Diagnosekriterien für die Bulimia nervosa gemäß ICD-10

Wie bei allen Essstörungen gehört eine andauernde Beschäftigung mit dem Essen zu einem Kennzeichen der Erkrankung. Es kommt zu Heißhungeranfällen mit Kontrollverlust, bei denen sehr große Mengen an Nahrung in sehr kurzer Zeit konsumiert werden. Dem ,,dick-machenden" Effekt des ,,Sich-ernährens"wird durch verschiedenste Verhaltensweisen entgegengesteuert. Hierzu gehören das selbstinduzierte Erbrechen (,,Sich den Finger in den Hals stecken u.a.), Laxanzienabusus (übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln) sowie Diäten. Die Betroffenen leiden unter einer krankhaften Angst dick zu werden und waren häufig innerhalb ihrer Vorgeschichte bereits an Magersucht erkrankt.


Herz-Logo

Binge Eating Disorder (Ess-Sucht)

Das sogenannte ,,Binge Eating" ist eine Form einer Essstörung, die durch periodische Heißhungeranfälle unter gleichzeitigem Kontrollverlust gekennzeichnet ist. Anders als bei der Bulimie werden nach den Essanfällen keine gewichtsreduzierenden Maßnahmen eingeleitet, wodurch Binge Eating Patienten häufig unter Übergewicht leiden. Dabei darf aber nicht so argumentiert werden, dass alle an Übergewicht-leidenden-Menschen automatisch ,,Binge-Eater" sind. Laut BzgA leiden die Betroffenen an wiederkehrenden Heißhungeranfällen in der Frequenz von mindestens 2 mal pro Woche über mindestens sechs Monate lang.

Der englische Ausdruck,,Binge" bedeutet soviel wie ,,Schlingen" und wurde vor allem in den Diskussionen um das ,,Komasaufen" (=binge-drinking) bekannt.  Die Anfälle zeichnen sich durch einen zwanghaften und hemmungslosen Charakter aus. Laut BzgA treten die Episoden der Essanfälle mit mindestens drei der folgenden Symptome auf (vgl. BzgA-Broschüre, 2008, S.16):

- Übermäßiges und zu schnelles Essen ,,Schlingen"

- Es wird bis zu einem belastenden Völlegefühl bzw. Bauchschmerz gegessen

- Ohne körperliches Hungergefühl werden riesige Nahrungsmengen konsumiert

- Aus Scham isst der Betroffene allein

- Nach dem Essen Gefühle von Ekel, Schuld und depressiven Verstimmungen

Achtung: Starkes Übergewicht gilt als hohes Krankheitsrisiko! Schlaganfall, Herzinfarkt, Leberschäden, Bluthochdruck, Wirbelsäulenschäden, Diabetes etc. können als Folgen eintreten!

Als Auslöser von Essanfällen gelten vor allem negative Gefühle, Stress und Langeweile. Während Magersucht und Bulimie fast immer ,,Mädchenerkrankungen" sind, tritt die Binge Eating Störung im Erwachsenenalter auf und betrifft zu 30 % auch Männer.

*BzgA (Hrsg.) (2008): Gefährliches Ziel: Traumbody. Reihe: Gut Drauf. Eine Broschüre der BzgA innerhalb der Initiative: Leben hat Gewicht. Gemeinsam gegen den Schlankheitswahn.