Unser Konzept


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Gründungsidee

Das Beratungszentrum bei Essstörungen DICK & DÜNN Nordwest e. V. wurde im Juni 2007 in Oldenburg gegründet. Die Idee zu einem Beratungszentrum für die Region Nordwest (Ammerland, Ostfriesland, Oldenburger Münsterland) mit Sitz in Oldenburg ging von unserer Vorstandsvorsitzenden Anke Lambrecht aus. Als Ärztin mit ernährungsmedizinischem und psychosomatischem Background hat sie erkannt, dass die Region um Oldenburg in der Prävention von Essstörungen und in der Beratung und Begleitung von Betroffenen und deren Angehörigen unterversorgt ist. Das möchten wir ändern.

Warum ein Beratungszentrum bei Essstörungen?

Wir möchten mit unserem Beratungszentrum Menschen stützen, die durch ihr gestörtes Essverhalten nicht nur Lebenslust und Lebensqualität verloren haben, sondern zum Teil auch unter schwerwiegenden – manchmal lebensbedrohlichen - gesundheitlichen Einschränkungen leiden. Aus diesem Grund haben wir ein Beratungszentrum für Ess-Störungen im Sinne einer Kontakt-, Informations- und Beratungszentrale gegründet.

Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzGA) schreibt auf ihrem Internetportal www.bzga-essstoerungen.de:

Essstörungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder u. a. in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige „Essen“ ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist.

 

Essstörungen in Zahlen

In diesem Kapitel sind einige Zahlen und Fakten zu den einzelnen Erscheinungsformen von Essstörungen zusammengefasst, die belegen wie dringend ein niedrigschwelliges Präventions- und Beratungsangebot benötigt wird.

Anorexia nervosa/ Bulimia nervosa

- Die Prävalenzrate für das klinische Vollbild Magersucht (Anorexia nervosa) liegt bei 1 %, die des Vollbildes der Bulimie (Bulimia nervosa) bei 2 %, jeweils bezogen auf die Gruppe der jungen Frauen.

- Die Zahl derjenigen, die kein Vollbild, aber durchaus deutliche Symptome und subklinische Ausprägungen aufweisen muss jedoch auf 10 % der bis zu 35-jährigen Bevölkerung angesetzt werden (Marion Sonnenmoser, Deutsches Ärzteblatt, Heft 7/2006).

- Laut BzGA sterben 10 % der Magersüchtigen an den Folgen ihrer Erkrankung.

Binge Eating Disorder

-  Ca. 3 % der Erwachsenen in Deutschland leiden unter einer Binge Eating Disorder.

-  Ca. 30 % der Betroffenen sind Männer.

Übergewicht und Adipositas

Übergewicht und Adipositas ist in unserer Überflussgesellschaft ein ernst zu nehmendes Problem, das eine Reihe von Folgeerkrankungen und Beschwerdebildern nach sich zieht. Eine ganz aktuelle Studie gibt Auskunft über die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen (Kurth, B-M; Schaffrath Rosario A., Bundesgesundheitsblatt 2007: 50, 736 – 743,).

- Über 15 % der 3-17jährigen in Deutschland sind übergewichtig; 6,3 % dieser Altersgruppe sind adipös.

- Bei den Jugendlichen zwischen 14-17 Jahren sind 17 % übergewichtig. 8,5 % dieser Altersgruppe sind adipös.

 

Wer sind wir und wie können wir helfen?

Wir sind sieben Frauen und zwei Männer aus unterschiedlichen akademischen Berufen mit viel Engagement:

Dr. med. Wolfgang Bodem, Arzt

Dr. Gabriele Egert, Diplom-Biologin

Dr. Michael Egert, Diplom-Biologe

Ulrike Gerdes, Diplom Ökonomin cand.

Anette Könner, Bankkauffrau

Anke Lambrecht, Ärztin

Priv. Doz. Dr. Petra Platte, Diplom Psychologin

Christina Schilewa, Musiklehrerin

Antje Ziehm, Diplom-Psychologin cand.

 

Wir sehen unsere Aufgaben

- in der Prävention von Ess-Störungen,

- in der Beratung von Betroffenen und Angehörigen sowie

- in der Öffentlichkeitsarbeit.


Prävention (Primär- und Sekundärprävention)

Wir möchten junge Menschen durch Unterrichtseinheiten und Projekte möglichst frühzeitig in ihrer Entwicklung erreichen. Durch die Ablösung aus dem Elternhaus verstärkt sich der Einfluss von Freunden. Die Schönheitsideale der Gesellschaft und der Einfluss aus dem Internet finden mehr Beachtung. Es werden Ideale vermittelt, die die Gesundheit/Balance der Jugendlichen gefährden. Nicht selten geraten die Jugendlichen in eine Essstörung durch eine „ harmlose Diät“. Gerade bei dem Thema Essstörungen kann eine Beratung und Aufklärung nicht früh genug beginnen. An einer manifesten Essstörung sterben leider immer noch 10 % der Betroffenen (bei Magersucht). Bei 40 % bleibt eine Restsymptomatik bestehen, nicht selten bleiben die Betroffenen ihr Leben lang stigmatisiert und können erfüllende Themen Familie/Mutter nicht realisieren.


Unterrichtseinheiten für Schüler/innen

Unser Präventionskonzept ist Schulform übergreifend und richtet sich an die Klassen 5 bis 12. Für Grundschulen bieten wir eine kleine Ernährungskunde an. Im Vordergrund unserer Arbeit steht die Förderung der Lebenskompetenz, der Kommunikations- und der Konfliktfähigkeit. Wir bieten zu den Themen Essgewohnheiten, Ernährung und Gesundheit altersgemäße Projektarbeit und Unterrichtseinheiten an.

Die Unterrichtseinheit beinhaltet eine kritische Infragestellung

- des gängigen Schönheits- und Schlankheitsideals,

- des so genannten Normal- und Idealgewichts sowie

- unsere Essgewohnheiten.

Wir möchten die Schüler/innen über gesundes Essverhalten, die Gefahren von Diäten und Medikamentenmissbrauch (Abführmittel/ Appetitzügler), die Erscheinungsformen und Ursachen von Essstörungen sowie über die unterschiedlichen Behandlungs- und Hilfsmöglichkeiten informieren. Am Ende der Unterrichtseinheit erhalten die Schüler/innen Informationsmaterial in Form von Broschüren, Literaturhinweisen und Adressen von Hilfsangeboten. Die Inhalte der Unterrichtseinheiten können jeweils vorab je nach Interesse und Bedürfnissen der Jugendlichen abgestimmt und variiert werden. Plakate, Handzettel, Projekttage, Workshops an Schulen und Jugendzentren sowie Vorträge bei Elternabenden oder Schulkonferenzen ergänzen die Unterrichtseinheiten.


Beratung

Ziel unserer Beratungsarbeit ist es, die vorhandene Spaltung von Körper und Seele aufzuheben und die Freude am Lebensmittel "Essen" wieder zu finden. Wir hören zu, informieren und bieten konkrete Angebote.

Unser Beratungsangebot im Überblick

- Telefonische, schriftliche und Email-Information und Beratung

- Offene Gruppenberatung

- Persönliche Einzelberatung

- Angeleitete Gesprächsgruppen

- Themenspezifische Gruppen und Kurse

- Angehörigengruppen

- Ernährungsberatung

Telefonische und schriftliche Beratung

Viele Betroffene haben Ängste und Schamgefühle sich persönlich zu zeigen. In unseren täglichen Telefonzeiten können von Essstörungen Betroffene, deren Angehörige oder andere Anfragende schnell, unverbindlich und anonym, mit uns Kontakt aufnehmen. In der Antwort bemühen wir uns, zu einem persönlichen Gespräch einzuladen und Betroffenen den Weg aus der Anonymität zu erleichtern.

Die Telefonzeiten sind:

Mo, Mi, Fr: 10.00 – 13.00 Uhr

Di, Do: 16.00 – 18.00 Uhr

Genauso sind wir auch schriftlich per E-Mail oder Post erreichbar.

Persönliche Einzelberatung

In den persönlichen Beratungsgesprächen nehmen wir uns viel Zeit, um die Betroffenen behutsam abzuholen. Gemeinschaftlich besprechen wir einen Weg, der die individuelle Situation des Betroffenen berücksichtigt und ihm alle Behandlungsmöglichkeiten vor Ort aufzeigt. Wir sehen uns dabei als Begleiter, Ansprechpartner und als Bindeglied zwischen Therapie und persönlichem Umfeld. Auf Wunsch oder je nach Problemlage werden weitere Folgetermine in Form einer Beratungsreihe, als Intervallbegleitung oder als Krisenintervention vereinbart. Zentrales Anliegen eines fortlaufenden Beratungsprozesses ist die Bewusstmachung von Ursachen und die Sensibilisierung für Auslöser des gestörten Essverhaltens.

Offene Gruppenberatung

In die Gruppenberatung laden wir Personen ein, bei denen bereits der Wunsch besteht, unterstützende Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Informationen über unser Gruppenangebot zu vermitteln und die Rat­suchenden zu einer Teilnahme an einer für sie passenden Gruppe zu motivieren.

Angeleitete Gesprächsgruppen

In den Gesprächsgruppen finden sich je nach Störungsbild, Alter und Geschlecht die Betroffenen zu angeleiteten Arbeitskreisen zusammen. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, die einzelnen finden Kontakte zu ähnlich Betroffenen und fühlen sich mit ihrem Problem weniger alleingelassen. Wir sehen unsere Aufgabe in der Strukturierung der Gruppenstunden (Einhaltung von Kommunikationsregeln) und in der Wissensvermittlung (Therapiemöglichkeiten, Verstehen der Erkrankung, aber auch Ernährung, Entspannung und Bewegung).

Vor der Teilnahme an einer angeleiteten Gesprächsgruppe ist ein persönliches Beratungsgespräch (Einzel- oder Gruppenberatung) obligatorisch. Nach diesem Beratungsgespräch werden die Interessenten in eine Warteliste eingetragen und 14 Tage vor Start der Gruppe schriftlich benachrichtigt. Die Gruppen starten grundsätzlich als geschlossene Gruppen.

Da nach unseren Erfahrungen eine weitgehende Homogenität der Gruppen (nach Alter, Körpergewicht und Symptomatik) eine gute Grundlage für ein anfängliches Solidaritätsgefühl bietet, werden die Gruppen nach den jeweiligen Essstörungen (Bulimie/Magersucht und Esssucht), alters- und geschlechtsspezifisch getrennt. Zusätzlich bieten wir Gruppen mit speziellerer Thematik an: Gruppen für Frauen ab dem 50. Lebensjahr, die mit der Kontrolle der Essmengen Probleme haben, Gruppen für Männer mit Essstörungen, Gruppen für Frauen mit Bulimie und Magersucht ab dem 30. Lebensjahr, Kliniknachsorgegruppen und Gruppen mit entspannungs-, bewegungs- sowie tanztherapeutischem Ansatz.

Die angeleiteten Gesprächsgruppen beginnen mit einer Teilnehmerzahl von 8-12, treffen sich wöchentlich 60 Minuten zu einem festgelegten Termin und werden in der Regel 8 bzw. 16 Sitzungen lang angeleitet. Die Anleitung der Gruppe hat zum Ziel, die Herstellung einer therapeutischen Arbeitsatmosphäre zu unterstützen und die Angst vor der unbekannten Gruppensituation bei den Teilnehmerinnen zu senken. Für jede Sitzung nehmen wir einen Unkostenbeitrag von 10 €.

Themenspezifische Gruppen und Kurse

Je nach Interessenlage bieten wir Wochenendkurse, fortlaufende Kurse oder Gruppen zu speziellen Themen an:

- Körpererfahrungswochenenden

- Workshops zu Schönheits- und Schlankheitsidealen

- Entspannungsgruppen, Bewegungs- und Tanzworkshops

- Kochkurse: „Was kann ich denn überhaupt essen?“

Geplante Gruppen und Kurse werden jeweils per Handzettel und auf der Homepage angekündigt!

Angehörigengruppen

Eine fortlaufende, regelmäßig begleitete Angehörigengruppe arbeitet als offene Gruppe mit zwei festen Terminen jeden Monat. Um an der Angehörigengruppe teilnehmen zu können, ist ein vorab stattfindendes Beratungsgespräch (als Einzelberatung oder Gruppenberatung) obligatorisch. Die Gruppe ist sowohl offen für Elternpaare, Elternteile, Partner, Geschwister, als auch für Freunde/innen oder sonstige Angehörige. Die Angehörigengruppe wird häufig auch von Angehörigen besucht, bei denen die betroffenen Essgestörten keine Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft zeigt. Die Angehörigenarbeit soll das Verständnis und die Akzeptanz für die Essstörung fördern, die mittelbar Betroffenen entlasten und dazu beitragen, die Krankheit aufrechterhaltende Faktoren wie z. B. einen hoher Leistungsdruck, familiäre Strukturen, die sich aufgrund der Essstörung gebildet haben, das gängige Schönheitsideal oder konkrete Essenssituationen in der Familie zu ändern.

Ernährungsberatung

Die Ernährungsberatung bietet Unterstützung und Begleitung auf dem Weg zu einer Normalisierung des Essverhaltens. Auf der Basis einer ausgewogenen Ernährung geht es vor allem darum, Hunger, Appetit und Sättigung (wieder) wahrzunehmen und körperlichen und seelischen Hunger zu unterscheiden.

Es gibt keine Diätpläne und starre Vorschriften, sondern es geht vielmehr darum, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen, Freude und Genuss am Essen wieder zu entdecken und ohne schlechtes Gewissen, ohne Kalorienzählen und ohne ein Verbot von Nahrungsmitteln zu essen.

Ziele unserer Beratung:

- Kennenlernen des eigenen Essverhaltens

- Selbstbestimmter Umgang mit dem Essen, Stärkung der Eigenverantwortung

- Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse beim Essen

- Wahrnehmung von Hunger, Appetit, Sättigung, Durst

- Abbau verbotener Nahrungsmittel – Integration aller Lebensmittel in den Speiseplan

- Aufbau geregelter Mahlzeiten

- Gewichtszu- oder –abnahme sowie anschließende Gewichtsstabilisierung


Unsere Vernetzung

Um in unserer Beratung auch umfangreiche Therapiemöglichkeiten empfehlen zu können, bauen wir ein Netzwerk zu den niedergelassenen Ärzten, Therapeuten, Ernährungsberatern, zu Kliniken und zu anderen Selbsthilfegruppen auf.

Wir haben engen Kontakt zu anderen Beratungszentren bei Essstörungen, wie z.B. ANAD in München und DICK & DÜNN Berlin, deren Konzept wir als Basis verwendet haben.

Genauso haben wir auch Kontakt zur Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Oldenburg unter der Leitung von Frau Dr. Paul. Wir bauen Kontakte in der Region auf, um den Ratsuchenden in unserem Beratungszentrum optimale Informationen geben zu können. Wir möchten Ansprechpartner für die im Bereich Essstörungen tätigen Therapeuten in der Region sein.


Öffentlichkeitsarbeit

In der Presse und in den Medien möchten wir die Öffentlichkeit für die Problematik von Essstörungen sensibilisieren.


Information und Aufklärung

Wir möchten durch Vorträge auf das Problem Essstörungen aufmerksam machen. Wir bieten Vorträge für Betroffe sowie auch für Angehörige mit den folgenden Themen an:

- „Wehret den Anfängen“

- „Hilfe – ich kann mein Essverhalten nicht kontrollieren. Binge Eating - das heimliche Problem“

Außerdem möchten wir durch Informationsveranstaltungen, Mitwirkung bei Messen, Aktionen und Tagungen bei den Betroffenen, bei Fachleuten und allgemein in der Öffentlichkeit das Problembewusstsein für die Belange essgestörter Menschen fördern und über die Möglichkeiten von Beratung und Therapie informieren.