Infos zu Essstörungen


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Allgemeine Informationen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Essstörungen sowie deren Mischformen als ,,Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren" (WHO, 2004, S. 135 ff.).

Essstörungen äußern sich durch eine ständige Beschäftigung mit dem Essen, das Körpergewicht steht im Zentrum alles Gedanken und Gefühle. Sie sind oft verbunden mit starker Angst vor Gewichtszunahme. Störungen des Essverhaltens sind ein Ausdruck von Schwierigkeiten und Konflikten mit sich und anderen. Die Ursachen sind hierbei vielschichtig und multiätiologisch (mehrere Ursachen) zu betrachten. Neben gesellschaftlich bedingten Aspekten wie überzogenen Schönheits- und Schlankheitsidealen (z.B. in Werbung & TV) spielen Kindheits- und schwierige Beziehungserfahrungen sowie Arbeitsplatzkonflikte eine Rolle bei der Genese. Bei Essstörungen dient, so kann man es vielleicht allgemein ausdrücken, das (Nicht-)Essen als Ausweg oder aber Ersatz für verdrängte Gefühle wie z.B. Angst oder Trauer.

Unter dem Begriff ,,Essstörungen" werden die klassischen Formen : Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) sowie die Binge-Eating-Störung (Ess-Sucht) zusammengefasst. Es handelt sich bei allen Formen um psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter.

*WHO (Hrsg.) (2004), Internationale Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 Kapitel V (F)- Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis. Bern.


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Die Aufnahme von Nahrung gehört zu den elementaren Bedürfnissen eines jeden Menschen. Schon für den Säugling bedeutet das Stillen zum einen Nahrungsaufnahme und zugleich erlebt das Kind dadurch einen äußerst innigen Kontakt zu seiner Mutter.

Mit Nahrung versorgt zu werden dient nicht allein zur Sättigung des Hungergefühls, sondern ist ebenso verbunden mit Zuwendung, Geborgenheit, Sicherheit und Gemeinschaft.
Essen kann sowohl als ein Mittel zum Trost, als auch zum Verwöhnen sowie zur Bestrafung eingesetzt werden. Über das Essen werden nicht selten Machtkämpfe in zwischen-menschlichen Beziehungen, nicht nur bei Eltern und Kindern, ausgetragen.

Essen wird von vielen Menschen als ausweichendes Verhalten bei Langeweile, Frust und Stress sowie zur Ersatzbefriedigung für verschiedene Bedürfnisse benutzt.
Essstörungen können als ein Zeichen verstanden werden, mit dem der Körper ausdrückt, dass die Betroffenen mit unbewältigten psychischen und/oder sozialen Problemen kämpfen. Deshalb kümmern wir uns um Menschen mit Essproblemen. Denn in Zahlen ausgedrückt, lässt sich das eben Gelesene wie folgt auf den Punkt bringen:

- Von allen psychischen Erkrankungen ist Magersucht diejenige mit der höchsten Todesrate im Lebensverlauf, weshalb in diesen Fällen auch von einem Suizid auf Raten gesprochen wird.

- Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 100.000 Jugendliche magersüchtig sind und dass ca. 800.000 Jugendliche an Bulimie leiden.

- Die Zahl der Menschen, die unter Binge Eating leiden, dürfte noch höher liegen. Ein großer Anteil der übergewichtigen bzw. adipösen Menschen (50 % der erwachsenen Bevölkerung) leidet unter einer nicht erkannten Binge Eating Störung.


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35% der Schülerinnen an Gymnasien - aber auch 13% der Schüler - weisen subklinische Essstörungen auf (Strauss et al., 2007)!