Erfahrungsberichte


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Estrella berichtet über ihre Erfahrungen mit der Magersucht

Mit etwa 15/16 Jahren habe ich mit dem Essen Probleme bekommen. Mir fiel es plötzlich phasenweise sehr schwer zu essen und ich war unzufrieden mit mir selbst. Ich fühlte mich auch in meiner Klasse nicht wohl, worunter auch meine Noten litten. Diese Situation machte mich auch nervös und ich hatte das Gefühl, nicht so gut bzw. viel wert zu sein, wie die anderen. Außerdem machte sich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, breit. In dieser Zeit fing ich an das ganze mit dem Essen bzw. nicht essen zu kompensieren. Am Anfang war es sehr versteckt und  teilweise auch phasenweise. Es wurde erst etwa zwei Jahre später sichtbar und seitdem rutschte ich immer mehr und tiefer in die Magersucht.

Im Jahr 2007 hatte ich dann meinen Tiefpunkt, wo ich mich dann in Absprache mit meiner Mutter ins Krankenhaus einweisen lassen hab. Ich wusste in dieser Zeit selber nicht weiter und habe gemerkt, dass ich alleine überhaupt nicht mehr klar komme. In der Klinik wurde ich erstmal „ aufgepäppelt“. In dieser Zeit habe ich meinen Antrag an eine psychosomatische Klinik gestellt und konnte mich dort dann auch drei Monate lang behandeln lassen. Es war nicht leicht, aber aus heutiger Sicht war es das Beste was mir je passieren konnte.

Wieder zu Hause wollte ich weiter an mir arbeiten und habe zur Unterstützung meiner Therapie nach einer Selbsthilfegruppe gesucht, da ich in der Klinik die Gespräche unter den Betroffenen sehr hilfreich empfand. Meine Mutter gab mir den Namen Dick & Dünn e.V. und ich nahm all meinen Mut zusammen und nahm den Kontakt mit Anke auf. Kurze Zeit später besuchte ich die Gruppe und war begeistert! Ich merkte richtig, wie mir die wöchentlichen Treffen gut taten. Es waren nicht nur die Gespräche, auch die Stimmung und Menschen dort taten mir einfach gut! So individuell, wie wir alle sind, oftmals findet man sich in den Themen der anderen selbst wieder und ich habe immer das Gefühl verstanden zu werden und ehrliche Hilfe zu bekommen! Ich denke gemeinsam mit der Therapie und den Gruppentreffen kann ich meinen Weg in ein glückliches Leben weitergehen. Ich habe im letzten Jahr (wo ich die Gruppe besuche), schon viele kleine Veränderungen gemacht, die mich mein Leben vielmehr genießen lassen können. Es gibt immer noch viel zu verändern und  zu bearbeiten, aber ich bin der festen Meinung, dass ich diese Zeit mit Hilfe von Therapie und der Gruppe auch schaffen werde!

 


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Lotta als Betroffene von Magersucht & Bulimie erzählt ihre Geschichte

Von klein auf bin ich ein sehr leistungsorientierter Mensch. Irgendwann brachte mir weder die Schule noch der Sport eine Befriedigung. Ich wollte perfekt sein und fing an meinen Körper zu hassen und ihm für alles die Schuld zu geben, was schief lief. Umso mehr ich in die Krankheit abrutschte umso mehr fing ich an meinen Körper zu hassen. Aus Scham vor mir selber brachte ich nicht den Mut auf mir Hilfe zu holen. Eigentlich verstand ich auch nicht wirklich was mit mir los war.

Für Außenstehende wirkte ich sehr normal, obwohl mein Gewicht phasenweise extrem schwankte. Mit 15 Jahren brachte mir das reine Hungern keine Befriedigung mehr und ich fing an Mahlzeiten zu erbrechen und Abführmittel zu nehmen. Einmal wurden meine Eltern hellhörig und schickten mich zum Arzt. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch noch nicht bereit vor anderen zuzugeben, dass etwas nicht mit mir stimmte und stritt alles ab.

Heute lebe ich seit 13 Jahren mit der Essstörung. Ich durchlebe täglich einen quälenden Kampf mit dem Essen, aber ich kann auch nicht ohne diese Auseinandersetzung. Erst als ich immer mehr unter den körperlichen und psychischen Folgen litt, konnte ich wirklich begreifen, dass ich essgestört bin. Um erste Schritte zu gehen, ging ich in eine psychosomatische Klinik. Gerade die Gruppentherapie gab mir viel Stütze. Ich hatte das erste Mal das Gefühl nicht alleine zu sein mit meinem Problem. Zu Hause sollte meine Therapie weiterhin Fortschritte machen. Mein Vater suchte daraufhin für mich die Adresse von Dick und Dünn e.V. raus. Ich konnte mich überwinden und zu einem Treffen der Selbsthilfegruppe gehen. Mittlerweile gehe ich regelmäßig und gerne zu den Treffen. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft mir und ich habe Ansprechpartner, die mich verstehen. Ich möchte endlich gesund und glücklich sein und mich über das Leben freuen. Ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist, aber ich hoffe, dass ich den Kampf gewinne.


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